Wo bekommen Auszubildende Hilfe in der Ausbildung?
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Nachhilfe für Auszubildende: Wo bekommen Auszubildende Hilfe in der Ausbildung?
Nicht jedem fällt das Lernen zu. Das ist schon zu Schulzeiten so gewesen und ändert sich in den meisten Fällen in der Ausbildungszeit nicht.
Prüfungs- oder Versagensängste sind das Eine. Doch was ist, wenn der Lernstoff aus der Berufsschule einfach nicht in den Kopf möchte und es wirklich Lernschwierigkeiten gibt? Dazu noch die wenige Zeit, die neben der Arbeit noch zum Lernen bleibt.
Welche Möglichkeiten gibt es daher für Auszubildende, die ernsthaft Sorgen haben die Zwischenprüfung oder die Abschlussprüfung nicht zu bestehen? Wo gibt es Hilfe und wie lässt sich diese finanzieren und zeitlich unterbringen?
Antworten auf diese Fragen gibt es in diesem Artikel.
Der theoretische Teil der Ausbildung, also die Inhalte, die in der Berufsschule vermittelt werden, ist Bestandteil der Zwischen- und Abschlussprüfung. Während die Zwischenprüfung eher einen „aktuellen Zwischenstand“ in Bezug auf Lerninhalte abbildet, entscheidet die Abschlussprüfung über das Bestehen oder Nicht-Bestehen der Ausbildung.
Daher ist es umso wichtiger in der Berufsschule nicht den Anschluss zu verlieren und bestenfalls direkt beim ersten Auftreten von Lernschwierigkeiten aktiv zu werden.
Nicht selten denken Auszubildende über einen Abbruch der Ausbildung nach, weil sie in der Berufsschule nicht mitkommen und nicht wissen, wie sie rein zeitlich neben dem Arbeitsalltag aufholen sollen.
Falsche Scham oder die Scheu sich bestimmte Defizite einzugestehen sollte man an dieser Stelle vermeiden. Es ist wichtig zu beachten, dass Auszubildende nicht alleine in dieser Situation sind und dass es viele Ressourcen gibt, auf die sie zurückgreifen können, um Unterstützung zu erhalten. Es ist ratsam, so früh wie möglich Hilfe zu suchen, um sicherzustellen, dass genügend Zeit für die Vorbereitung auf Prüfungen bleibt.
Das Gespräch suchen
Im ersten Schritt ist es ratsam, ein Gespräch mit dem Ausbilder oder der Auszubildendenvertretung im Betrieb zu suchen und die Lage zu schildern. Je nach Größe des Ausbildungsbetriebes kann es interne Nachhilfeangebote geben oder die Möglichkeit Adressen und Anlaufstellen zu bekommen, die Unterstützung anbieten. Auch ist es nicht selten, dass Berufsschullehrer Nachhilfeprogramme anbieten, die in Anspruch genommen werden können.
Generell kann es hilfreich sein, sich der Familie oder Freunden anzuvertrauen, um auch hier mentale Unterstützung zu bekommen. Auch der Austausch mit anderen Auszubildenden kann helfen, um ggf. Lerngruppen zu bilden oder sich vor Prüfungen gegenseitig abzufragen.
Welche Initiativen und Einrichtungen können helfen?
Bildungseinrichtungen: Es gibt eine Menge Bildungseinrichtungen, die Kurse und Schulungen speziell für Auszubildende anbieten, um ihnen bei der Prüfungsvorbereitung zu helfen. Diese Kurse können je nach Bedarf online oder in Präsenz angeboten werden.
Zu diesen Bildungseinrichtungen zählen:
IHK (Industrie- und Handelskammern): Die IHK bietet spezielle Prüfungsvorbereitungskurse und Seminare für Auszubildende an, die sich auf ihre IHK-Abschlussprüfungen vorbereiten. Die Kurse können in Präsenz oder online genutzt werden und sind speziell auf die Anforderungen der verschiedenen Berufe zugeschnitten. Die Kurse der IHK sind kostenpflichtig und die Gebühren variieren je nach Art des Kurses und der Dauer. Ein Beispiel für einen Kurs ist der "Prüfungsvorbereitungskurs für Industriekaufleute", der sich auf die Anforderungen der IHK-Abschlussprüfung für Industriekaufleute konzentriert. Der Kurs kann zwischen 4 und 16 Wochen dauern, je nachdem, ob er in Vollzeit oder Teilzeit absolviert wird. Die Kosten für diesen Kurs liegen zwischen 1000 und 3000 Euro.
Handwerkskammern: Wie die IHK bieten auch die Handwerkskammern spezielle Prüfungsvorbereitungskurse und Seminare an, um Auszubildenden bei der Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen zu helfen. Die Kurse der Handwerkskammern sind ebenfalls kostenpflichtig und die Gebühren variieren je nach Art des Kurses und der Dauer.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Verfügbarkeit dieser Schulungen und Kurse von Region zu Region und von Beruf zu Beruf variieren kann. Auszubildende können sich daher am besten bei ihrer örtlichen IHK, Handwerkskammer oder Berufsschule nach verfügbaren Schulungen und Kursen erkundigen. Auch die Kostenübernahme wird unterschiedlich geregelt. In einigen Bundesländern gibt es Vorbereitungskurse, die direkt von IHK oder HWK übernommen werden.
Berufsbildungswerke: Berufsbildungswerke sind spezialisierte Einrichtungen, die Auszubildende mit Behinderungen oder sozialen Schwierigkeiten unterstützen. Sie bieten auch Kurse und Schulungen an, um Auszubildenden bei der Vorbereitung auf ihre Prüfungen zu helfen.
Die Kurse der Berufsbildungswerke sind in der Regel kostenlos für Auszubildende. Ein Beispiel für einen Kurs ist der "Prüfungsvorbereitungskurs für angehende Bürokaufleute", der sich auf die Vorbereitung auf die IHK-Zwischen- und Abschlussprüfungen für Bürokaufleute konzentriert. Der Kurs dauert zwischen 4 und 8 Wochen und umfasst Themen wie kaufmännische Steuerung und Kontrolle, Marketing und Personalwirtschaft.
Volkshochschulen: Volkshochschulen bieten oft Prüfungsvorbereitungskurse für verschiedene Berufe an, einschließlich derer, die von Auszubildenden erlernt werden. Diese Kurse können auch online angeboten werden. Die Kurse der Volkshochschulen sind in der Regel kostengünstiger als die der IHK oder Handwerkskammern.
Beratungsstellen: Beratungsstellen bieten oft psychologische Unterstützung und Beratung, um Auszubildenden bei der Bewältigung von Prüfungsangst und anderen persönlichen Herausforderungen zu helfen, die sich auf ihre Prüfungsleistung auswirken können.
Bundesagentur für Arbeit: Über die Bundesagentur für Arbeit gibt es die Möglichkeit sogenannte „ausbildungsbegleitende Hilfe (abH)“ in Anspruch zu nehmen. Hier findet Nachhilfeunterricht wöchentlich im Anschluss an den Arbeitstag statt, um gezielt Lernhinhalte zu wiederholen oder sich auf Prüfungen vorzubereiten. Zudem gibt es einen festen Ansprechpartner
Eine weitere Möglichkeit bietet das Programm „Assistierte Ausbildung (AsA).: Hier gibt es ebenfalls Nachhilfeunterricht und Prüfungsvorbereitungen, aber auch die Möglichkeit für aus dem Ausland stammende Auszubildende die Deutschkenntnisse zu verbessern. Dieses Programm unterstützt ebenfalls bei der Neuorientierung, falls die Ausbildung im Betrieb nicht beendet wird.
Weitere Möglichkeiten
Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wird das Projekt „Verminderung von Ausbildungsabbrüchen (VerA) gefördert. Hier bekommt man eine kostenfreie 1:1 Betreuung durch ehrenamtlich tätige Ruheständler, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen an künftige Fachkräfte weitergeben.
Je nach Bundesland oder Stadt kann es weitere unterschiedliche Förderprojekte geben, die Auszubildende unterstützen ihre Lehre erfolgreich zu beenden.
Online-Ressourcen: Selbstlernoptionen bieten online die Möglichkeit zeitlich unabhängig tätig zu werden. Dazu gehören Websites, die speziell auf die Bedürfnisse von Auszubildenden zugeschnitten sind, Online-Tutoring und -Coaching sowie Online-Übungstests.
Die Frage zu den Kosten lässt sich nicht einheitlich beantworten. Auch hier lohnt sich immer im ersten Schritt ein Gespräch mit dem Arbeitgeber. Kostenfreie Nachhilfe und Unterstützungsprojekte bietet der Staat über die Bundesagentur für Arbeit und Förderprogramme. Jedoch können auch hier die örtlichen Handels- und Handwerkskammern die korrekte Anlaufstelle sein.
Was passiert, wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wird?
Auch für diesen Fall gibt es Lösungen. Es besteht die Möglichkeit den Vertrag mit dem Arbeitgeber zu verlängern. Dies geschieht in der Regel um ein Jahr, in dem weiterhin im Ausbildungsbetrieb gearbeitet und die Berufsschule besucht wird.
Alternativ endet der Ausbildungsvertrag ohne abgeschlossene Ausbildung. Dennoch kann die Prüfung wiederholt werden, ohne allerdings die Schule nochmal zu besuchen. Hier müssen jedoch die Kosten für die Prüfungsgebühren selbst getragen werden. Die Abschlussprüfung muss im 3. Versuch bestanden werden, da ansonsten ein Abschluss im gewählten Beruf nicht mehr möglich ist.
Schlussendlich gilt, ob bei Problem im Vorfeld der Prüfungen oder bei nicht bestehen: Eine offene Kommunikation und das Gespräch mit dem zuständigen Ausbilder schafft Transparenz und die Möglichkeit Lösungen zu finden. Denn am Ende möchten sowohl der Betrieb, als auch der Auszubildende nur Eines: Dass die Ausbildung erfolgreich absolviert absolviert wird.